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Fettpolster für die Regenerative Medizin

Fett absaugen diente bisher vor allem zum schnellen Erschlanken. Zukünftig sollen die abgesaugten Fettzellen als patienteneigenes Transplantat gezielt zur Regeneration erkrankter oder z. B. durch Tumoroperation verlorenes Gewebe eingesetzt werden.

Bis vor etwa drei Jahren bestand das Ziel beim Absaugen großer Fettmengen, der sogenannten Liposuktion, allein darin, unerwünschtes Fettgewebe zu entfernen, um auf schnellem Wege schlanker zu werden. In der Schönheitschirurgie werden bis zu 8.000 ml Fettgewebe abgesaugt und anschließend entsorgt. „Erst in jüngerer Zeit wurde der große klinische Nutzen des abgesaugten Fettgewebes entdeckt“, erläuterte Dr. Inge Matthiesen, Leiterin Medical Affairs in der human med AG Schwerin. „Der neue Trend der Fettgewebstransplantation mit menschlichem Eigenmaterial hat sich im Laufe der letzten Jahre sehr stark entwickelt. Da Fettgewebe etwa 500mal mehr Stammzellen als Knochenmark enthält, stellt es eine leicht verfügbare Quelle ohne Nachschubprobleme für die Regenerative Medizin dar.“

Zahlreiche medizinische Studien haben inzwischen die außergewöhnlichen Erfolge von Eigenfetttransplantationen bewiesen. Diese werden unter anderem bei Brustvergrößerung aus ästhetischen Gründen, beispielsweise nach Krebsoperationen eingesetzt, aber auch in der Wiederherstellungschirurgie nach Unfällen mit erheblichen Verletzungen oder bei der Behandlung von chronischen und nicht heilenden offenen Wunden bei älteren Menschen und Diabetikern. Die entnommenen Fettzellen werden gefiltert und können dann in einem einfachen Verfahren an der betreffenden Stelle injiziert werden. Allerdings fehlt derzeit für den flexiblen Einsatz kleinerer Mengen von Fettgewebe im klinischen Alltag eine entsprechende medizintechnische Infrastruktur. Wissenschaftler und Ingenieure der Schweriner human med AG entwickeln deshalb in Kooperation mit Experten vom Lehrstuhl für Fluidtechnik und Mikrofluidtechnik der Universität Rostock ein neues System zur Gewinnung von Fettgewebe für die Regenerative Medizin, Dermatologie und Wiederherstellungschirurgie.

„Bei dem zu entwickelnden System zur Stammzellgewinnung müssen deutlich kleinere Mengen Fettgewebe abgesaugt werden als bei herkömmlichen Fettabsaugsystemen“, erörterte Projektleiter und Kooperationspartner Prof. Hermann Seitz von der Universität Rostock. „Zum einen müssen deshalb für das zu entwickelnde kompakte Gerät neue Systemkomponenten wie Pumpen und Kanülen entwickelt und experimentell untersucht werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Computersimulation der wasserstrahlbasierten Absaugung, um dadurch die Belastung der Stammzellen bei der Gewinnung zu berechnen. Diese Informationen werden dann bei der Entwicklung des neuen Gerätes eingesetzt, um eine möglichst schonende Gewinnung der Stammzellen zu gewährleisten.“ Darüber hinaus sind im Rahmen des Verbundvorhabens zellbiologische Untersuchungen an der Universitätsmedizin Rostock geplant, um sicherzustellen, dass das mit dem neuen System gewonnene Fettgewebe einen sehr hohen Anteil vitaler Fettzellen und Stammzellen enthält.

Quelle: idw