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Frauenheilkunde kann von Regenerationsmedizin enorm profitieren

Prof. Dr. Erich Solomayer, Leitender Oberarzt an der Tübinger Frauenklinik (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Prof. Dr. Erich Solomayer, Leitender Oberarzt an der Tübinger Frauenklinik (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Die Gynäkologie ist ein weites Feld, in dem Tissue Engineeringi und Stammzelltherapien große Fortschritte bewirken können. Von der Wundabdeckung bei ausgedehnten Brustkrebs-Erkrankungen bis zur Therapie von Gebärmuttersenkung und Inkontinenz wollen Tübinger Wissenschaftler und Ärzte neue Projekte angehen. "Ein Schwerpunkt ist die Frau im geschlechtsreifen Alter. Wir möchten ihr mit regenerativen Therapien zum Beispiel dabei helfen, trotz Gebärmuttersenkung ihre Familienplanung abzuschließen", sagt Prof. Dr. Erich Solomayer, Leitender Oberarzt an der Tübinger Frauenklinik. Gebärmuttersenkungen kommen weit häufiger vor, als in der Öffentlichkeit bekannt ist und sind deshalb ein sehr wichtiges Zukunftsgebiet für die Regenerationsmedizin.

"Etwa jede 11. Frau wird wegen einer Gebärmuttersenkung operiert und jede dritte Operierte muss noch ein zweites Mal operiert werden", ergänzt Dr. Christl Reisenauer und unterstreicht damit die Bedeutung des Themas. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Gebärmuttersenkung ähnlich wie die Inkontinenz ein Tabuthema ist und die Dunkelziffer deshalb um einiges höher sein dürfte.

Volkskrankheit Gebärmuttersenkung regenerativ behandeln

Reisenauer erforscht, warum die Bänder im Bauchraum die Gebärmutter nicht mehr in der richtigen Position halten können. "Wir haben bereits viel Grundlagenforschung gemacht mit dem Ziel, den Aufhängeapparat eines Tages wiederherstellen zu können", sagt Reisenauer. Sie hat zelluläre Veränderungen in den Bändern entdeckt und umfassend beschrieben. Die Oberärztin will jetzt klären, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen. Noch ist nämlich nicht bekannt, ob die Senkung zelluläre Veränderungen nach sich zieht oder ob die zellulären Veränderungen zu einer Senkung führen.

Sobald der Halteapparat des Uterus (*) geschwächt ist, kommt es zu einer Senkung. (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Sobald der Halteapparat des Uterus (*) geschwächt ist, kommt es zu einer Senkung. (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Regenerative Projekte sollen jedenfalls dabei helfen, die Bänder zu kräftigen und ihre Funktion wieder herzustellen. Dafür will die Oberärztin Stammzellen einsetzen: "Wir möchten mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut verwenden und untersuchen zurzeit, wie wir die Zellen für diese spezielle Anwendung vordifferenzieren können." Die größten Chancen sieht Reisenauer darin, die Stammzellen in Richtung Muskelzellen zu differenzieren. "Ich denke, der beste Ansatz ist, die glatte Muskulatur der Bänder wieder aufzubauen, denn es ist in erster Linie diese Muskulatur, die bei einer Senkung in einem schlechten Funktionszustand ist", so die Oberärztin.

Ähnliche Problematik bei Inkontinenz

Auch bei der Behandlung von Inkontinenz setzen die Tübinger Gynäkologen auf Stammzellen. Hier ist ebenfalls der Bänderapparat betroffen. "Die Aufhängung der Harnröhre ist nicht mehr intakt", bestätigt Reisenauer. Das kann auch äußere Ursachen haben, denn "häufige mechanische Erschüterungen können den Halteapparat schädigen." Deshalb, so die Oberärztin, seien rund 50 Prozent der Hochleistungssportlerinnen inkontinent. "Das Problem kann immer dann entstehen, wenn zu oft ein hoher Druck im Bauchraum auftritt", so Reisenauer.

Die Häufigkeit von Harninkontinenz bei Frauen (Abb: Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Die Häufigkeit von Harninkontinenz bei Frauen (Abb: Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Ein therapeutischer Ansatzpunkt ist der Schließmuskel. "Durch das Einspritzen von Stammzellen oder Muskel-Vorläuferzellen in den Schließmuskel können wir die Inkontinenz vielleicht beheben", sagt Reisenauer und zieht damit eine Parallele zu ähnlichen Ansätzen, die Prof. Dr. Arnulf Stenzl an der Urologischen Uniklinik verfolgt. Das Ziel ist hier wie dort eine Stärkung des Schließmuskels.

Autologe Geburtshilfe durch Tissue Engineering

Eine "eigene Stammzellspende" des Kindes im Mutterleib könnte den Defektverschluss erleichtern (z.B. Omphalozele, s. Abbildung). (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Eine "eigene Stammzellspende" des Kindes im Mutterleib könnte den Defektverschluss erleichtern (z.B. Omphalozele, s. Abbildung). (Foto: Universitäts-Frauenklinik Tübingen)

Ebenso faszinierend wie visionär ist die therapeutische Anwendung von autologen Stammzellen bei Neugeborenen. Solomayer erklärt das Prinzip: "Fehlbildungen werden fast immer pränatal diagnostiziert. Mit pränatal entnommenen Stammzellen könnten viele Probleme direkt nach der Geburt behoben werden." Bauchwanddefekte, Nabelbrüche und ein offener Rücken sind Beispiele, bei denen es wegen der hohen Infektionsgefahr auf eine schnelle Heilung ankommt. Wenn bereits bei der Geburt Gewebe bereit stehen würde, das aus Zellen des Ungeborenen gezüchtet wurde, wären die Heilungschancen deutlich besser. "Das Kind ist noch gar nicht auf der Welt und hat bereits für sein eigenes Überleben Zellen gespendet", bringt Solomayer die Sache auf den Punkt.

Gewebezüchtung für Brust- und Vagina-Aufbau

Ein weiteres Einsatzgebiet des Tissue Engineering ist der Aufbau von Brustgewebe. "Nach der Operation von Brusttumoren haben wir oft das Problem, das wir nicht genug patienteneigene Haut haben, um den Defekt abzudecken. In diesen Fällen wäre gezüchtetes Gewebe eine gute Alternative", sagt Solomayer. Eine Wundabdeckung mit gezüchtetem Gewebe wäre auch nach der Operation von Vulva-Karzinomen hilfreich. "Die Frauen kommen häufig erst relativ spät zum Arzt und die Größe des Tumors erfordert dann eine Operation, nach der große Spannungsverhältnisse entstehen. Außerdem liegen die Frauen verhältnismäßig lange und viele haben Diabetes, was zu einer schlechten Wundheilung führt."

Solomayer möchte die Möglichkeiten des Tissue Engineering auch nutzen, um das Mayer-Rokitansky-Kästner-Syndrom zu heilen. Die Tübinger Frauenklinik ist europaweit eines der wenigen Kompetenzzentren für die seltene Krankheit. "Bei diesem Krankheitsbild haben junge Mädchen keine Vagina. Der Aufbau einer Neovagina kann nur an speziellen Zentren gemacht werden, wobei wir in Deutschland die meisten Fälle operieren. Allein im letzten Jahr waren es rund 40 Eingriffe", sagt Solomayer.

Er hat mit seinem Team eine schonende Methode etabliert, bei der Gewebe im Vaginalbereich unter Spannung zu einer Scheide verlängert wird. Dieses Verfahren möchte er mithilfe von gezüchtetem Gewebe verbessern. Dadurch hoffen die Gynäkologen auf eine kürzere Heilungsphase, die für die jungen Patientinnen weniger belastend ist. "Eine besondere Herausforderung ist die Züchtung eines nicht-verhornenden Plattenepithels als Schleimhaut. Eventuell ließen sich Mundschleimhautzellen als Ausgangsmaterial verwenden. Das Ziel ist in jedem Fall, eine möglichst natürliche Schleimhaut zu generieren", erklärt Solomayer.

leh - 04.04.07
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, Erstveröffentlichung unter www.bio-pro.de<, dem Biotech/Life Sciences Portal des Landes Baden-Württemberg. Alle Rechte vorbehalten.

Weitere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Frauenklinik

Prof. Dr. Diethelm Wallwiener (Ärztlicher Direktor)
Prof. Dr. Erich Solomayer (Leitender Oberarzt)
Dr. Christl Reisenauer (Oberärztin)
Calwerstraße 7
72076 Tübingen

Telefon: 07071 29-82211
Fax: 07071 29-4663
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